Studiengebühren

Der Grosse Rat des Kantons Bern hat in seiner Finanzsession entschieden, dem Regierungsrat zu folgen und die Studiengebühren im Kanton Bern um 150.—pro Semester zu erhöhen. Ein Zeichen, dass der Grosse Rat mit der Finanz- und Bildungspolitik überfordert ist.

Das Vorgehen des Grossen Rates, zuerst die Steuern zu senken und dann plötzlich festzustellen, dass dies zu Sparmassnahmen führt, zeugt von einer Verwirrung in der Finanzpolitik. Dass jetzt gerade die Schwächsten herhalten müssen, um die Fehlplanung auszubügeln, zeugt von einer Überforderung und fehlenden Weitblick des Grossen Rates in der Finanzpolitik. Es ist enttäuschend, dass gerade Studierende mit einem kleinen Budget höhere Kopfsteuern zahlen müssen. Ist das pragmatische Politik? Nein, der Grosse Rat bittet die Falschen zur Kasse.

Mit einem fragwürdigem Vorgehen wird die Bildung im Kanton Bern teurer. An der Fachhochschule, der Pädagogischen Hochschule und der Universität wird die Erhöhung der Studiengebühren keine Wirkung zeigen – weder verbessert sich das Betreuungsverhältnis, noch steigt das Angebot, noch profitieren die Studierenden von einer besseren Qualität in der Lehre. Höhere Studiengebühren für nichts, heisst es für die Studierenden. Ist das vernünftige Politik? Nein, der Grosse Rat sucht das Geld am falschen Ort.

 

Grosser Rat schwächt Bildungsstandort

Der Finanzaktionismus der grünen und bürgerlichen Mehrheit zeugt von fehlender Verantwortung gegenüber dem Bildungsstandort Bern. Studierende müssen im Vergleich zu Kanton und Hochschule überproportional mehr bezahlen.

Weder sieht der Grosse Rat Massnahmen vor, welche die Erhöhung der Studiengebühren auffangen würden, noch kommen die Mehreinnahmen den Hochschulen zu Gute. Ein Antrag auf Erhöhung der Stipendiensumme wurde abgelehnt, die Möglichkeit einer Härtefallregelung wurde nicht andiskutiert. Für die SUB und den VSBFH ist aber klar: wer die Studiengebühren erhöht, muss auch Ausgleichsmassnahmen treffen.

Verantwortung würde auch bedeuten, dass der Kanton Bern seine Hochschulen mittragen würde und ihnen genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stellt, um eine qualitative Bildung anzubieten – damit die Studierenden nicht in andere Kantone abwandern, damit der Wirtschaftsstandort Bern gestärkt werden kann.

 

Jetzt braucht es Massnahmen!

Die StudentInnenschaft der Universität Bern und der Verband der Studierendenschaft der Berner Fachhochschule sind enttäuscht vom fehlenden Verantwortungsbewusstsein und Weitblick des Grossen Rates. Die Debatte ist aber noch nicht zu Ende:

Wir fordern jetzt vom Verursacher dieser Massnahme (dem Regierungsrat) ein klares Bekenntnis zur Solidarität und der freien Bildung im Kanton Bern: dazu gehört in einem ersten Schritt eine zuverlässige Härtefallregelung für Studierende, welche die höheren Studiengebühren nicht übernehmen können. Insbesondere sollen auch bei StipendienbezügerInnen, welche aus anderen Kantonen im Kanton Bern studieren, die höheren Studiengebühren vom Kanton Bern übernommen werden.

In einem zweiten Schritt fordern wir ein klares Bekenntnis zur Hochschulbildung. Mittelfristig bedeutet dies eine Refinanzierung der Universität Bern mindestens in der Höhe der gestiegenen Studiengebühren. Der Kanton ist dafür verantwortlich, dass die Qualitätsziele an den Hochschulen eingehalten werden – dazu gehört eine Finanzierung dieser.

Mittelfristig gehört dazu auch eine Nivellierung des Stipendiensystems nach oben. Eine Anpassung der Bildungskosten ohne flankierenden Massnahmen bedeutet eine weitere Verringerung der Chancengleichheit.

Den heute gefällten Entscheid können die Studierenden nicht nachvollziehen. Für uns ist aber klar: dies muss ein Schlussstein des Bildungsabbaus im Kanton Bern sein. Wer weitere Spar- und Abbaumassnahmen fordert, schadet der Bildung materiell. Wer in der Zukunft einen Kanton Bern mit qualitativer Bildung möchte, muss jetzt eine Wende in der Politik erreichen: für eine qualitative Bildung mit chancengerechtem Zugang für alle.

September 2011: Grosser Rat auf dem Holzweg

Der Grosse Rat des Kantons Bern hat am Dienstag ein Postulat überwiesen, dass höhere, ja sogar kostendeckende Studiengebühren für BildungsausländerInnen fordert. Eine solche Massnahme oder auch nur schon eine Verdoppelung oder Verdreifachung der Studiengebühren wird von der StudentInnenschaft der Universität Bern aufs Schärfste verurteilt, denn sie schadet der Schweizer Wissensgesellschaft.

Heute hat die Universität Bern rund zwölf Prozent Studierende mit einem ausländischen Zulassungsausweis (Abitur oder ähnliches). Wenn es nach dem Willen des Grossen Rates geht, sollen diese in Zukunft massiv stärker zur Kasse gebeten werden. Ein Postulat der SVP verlangt „kostendeckende Studiengebühren", in der heutigen Debatte wurde aber auch von einer Verdoppelung oder Verdreifachung gesprochen.

Mit dieser Massnahme werden ausländische Studierende abgeschreckt und die soziale Diskriminierung verstärkt: „Nicht die geeignetesten Studierenden aus dem Ausland kämen an die Universität Bern, sondern diejenigen reicher Eltern, welche sich die hohen Lebenshaltungs- und Bildungskosten erlauben können", erklärt Clau Dermont. Bereits heute existiert diese ökonomische Hürde, beispielsweise für Studierende aus Deutschland: Spiegel Online hat in einem Artikel vom 7. Januar 2011 festgestellt, dass insbesondere Studierende aus höheren gesellschaftlichen Schichten es sich erlauben können, im Ausland zu studieren.

Notwendigkeit für die Universität

Im Schweizer Vergleich hat die Universität Bern einen sehr tiefen Anteil an ausländischen Studierenden. Die Strategie 2012 der Universität wäre, diesen Anteil auszuweiten, da Lehre und Forschung sich nach internationalen Massstäben richten und der internationale Austausch gefördert werden soll. Mit einer Erhöhung der ökonomischen Hürde torpediert die Politik die Universität und stellt auch die gesamte Bolognastrategie inklusive Mobilitätsziele in Frage.

Ohne ausländische Studierende und AkademikerInnen fehlt der Universität Bern der akademische Nachwuchs. Die Universität Bern ist bereits heute unterfinanziert ist, was zu schlechten Betreuungsverhältnissen und zu Problemen in der Nachwuchsförderung in Lehre und Forschung führt.

Die SUB wehrt sich gegen den diskutierten Vorschlag: Weder haben die Studierenden, die Universität noch der Kanton am Schluss einen Nutzen aus dieser Erhöhung, noch könnte mit so einer Massnahme die Qualität in irgendeiner Weise verbessert werden. Der Grosse Rat spricht sich einmal mehr für eine verstärkte soziale Segregation und höhere ökonomischen Hürden aus. Der Kanton Bern lässt die Universität finanziell und personell ausbluten, was längerfristig die Universität in Bern grundsätzlich in Frage stellt.

Die StudentInnenschaft der Uni Bern (SUB) und der Verband der Studierendenschaft der Berner Fachhochschulen (VSBFH) wehren sich gemeinsam gegen die geplante Erhöhung der Studiengebühren. Jetzt haben wir eine Petition lanciert. Unterschreib die Petition und sprich dich gegen eine Erhöhung der Studiengebühren aus!

Jetzt unterschreiben!

Noch unentschieden? Flurin erklärt dir aus seiner Sichtweise, wieso du unterschreiben solltest:

August 2011: Medienkonferenz gegen Studiengebühren

Die StudentInnenschaft der Uni Bern (SUB) und der Verband der Studierendenschaft der Berner Fachhochschulen (VSBFH) wehren sich gemeinsam gegen die geplante Erhöhung der Studiengebühren. Am Montag haben sie gemeinsam an einer Medienkonferenz dargelegt, wieso die Erhöhung ungerechtfertigt ist, diese dem Kanton mehr schadet als nützt und was sie gegen die geplante Massnahme unternehmen.

Am 20. Juni hat der Regierungsrat des Kanton Berns ein Sparpaket vorgestellt, das auch die Studierenden der Berner Hochschulen direkt betrifft. Die Studierenden der Universität und der Fachhochschule wehren sich gemeinsam gegen die Studiengebührenerhöhung um 150 Franken. Dies verlangt bis zur Finanzdebatte im Grossen Rat des Kantons Bern gemeinsame Schritte.

 

Die Erhöhung trifft die Falschen

Wenn der Kanton Bern die Studiengebühren erhöht, dann trifft dies die Studierenden und deren Familien. Dabei sollen die Mehreinnahmen nicht für die Bildung verwendet werden, sondern fliessen in das Kantonsbudget. Die 23‘000 Studierenden des Kantons Bern sollen also das Finanzloch stopfen. „Eine Erhöhung der Studiengebühren ist ein weiterer Schritt hin zu einer Elitisierung der Bildung", erklärt Clau Dermont, Vorstand der SUB, das Problem. Wenn die Bildung teurer wird, wenn das Angebot exklusiver wird besteht die Gefahr, dass nicht mehr die Fähigkeiten über ein Studium entscheiden, sondern die Finanzkraft. „Das kann nicht sein, dagegen wehren wir uns!", zeigt sich Clau Dermont entschieden.

 

Studiengebühren schaden dem Studium und dem Kanton

Eine Erhöhung der Studiengebühren würde einerseits eine minime Entlastung der Finanzsituation des Kantons Bern bedeuten. Andererseits hat eine Erhöhung auch negative Seiten: knapp 80% der Studierenden arbeiten neben dem Studium, um sich einen Teil der Lebenskosten zu finanzieren. „Die Studierenden arbeiten durchschnittlich zwei Monate, um die jährlichen Studiengebühren zu verdienen", verdeutlicht Marc Blaser, Vorstand des VSBFH, die Situation. Eine Erhöhung kann sowohl zu einer Verlängerung, aber auch zu einem Studienabbruch führen.

Das trifft auch den Kanton: „Es entsteht eine Spirale. Die Erhöhung der Studiengebühren, durch welche der Kanton Geld einsparen will, führt also unter Umständen dazu, dass noch mehr Kosten verursacht werden und daher am Schluss die ganze Übung unrentabel ist", erklärt Marc Blaser. Höhere Studiengebühren können auch dem Wirtschaftsstandort Bern schaden. Einerseits da der Kanton sich aus der Verantwortung stiehlt und die Hochschulen dadurch von der Privatwirtschaft abhängig werden, andererseits dadurch, dass qualifizierte Arbeitskräfte sich für andere Ausbildungsstandorte entscheiden.

 

Auf die Studierenden zugehen

Im Fokus der nächsten Aktivitäten werden die Studierenden stehen, erklärt Ayse Turcan, Vorstand SUB: „Der Regierungsrat hat die Studierenden bisher erst über die Medien informiert – für uns ist es wichtig, dass wir transparent und ehrlich kommunizieren, damit alle Personen frühzeitig informiert sind." Dafür sind verschiedene Aktionen auf Beginn des Herbstsemesters 2011 geplant.

Die SUB und der VSBFH treffen sich aber auch mit den politischen Institutionen – einerseits mit Erziehungsdirektor Pulver, der direkte Ansprechpartner in der Regierung, andererseits mit dem Grossen Rat. Dabei ist eine Mittagsveranstaltung geplant: „An dieser können wir umfassend über die Bedeutung und Auswirkungen einer Erhöhung informieren", bestärkt Ayse Turcan. Der Grosse Rat müsse alle Folgen kennen. Ziel sei dabei natürlich, dass  sich der Grosse Rat auf die Seite der Studierenden stelle und sich gegen eine Erhöhung ausspricht. Dafür wird sowohl ein Antrag erarbeitet, der im Rahmen der Finanzsession diskutiert werden soll, als auch eine Petition, um den Studierenden und deren Familien die Möglichkeit zu bieten, ein Zeichen gegen die Erhöhung zu setzen.

Reden von Clau Dermont (SUB), Marc Blaser (VSBFH) und Ayse Turcan (SUB)

August 2011: AG Studiengebühren wird aktiv

Nach der Ankündigung des Regierungsrates, eine Erhöhung der Studiengebühren auf das Frühlingssemester 2012 durchzusetzen, hat die SUB sich organisiert und mittlerweile die ersten Schritte gegen diese Massnahme genommen.

So wurde eine AG Studiengebühren ins Leben gerufen, welche sich bereits einmal getroffen hat. Die nächste Sitzung findet am 15. August um 18.30 im Sitzungszimmer des SUB-Hauses statt. Die Sitzung ist für alle interessierten Personen und Organisationen (ob nun Studi oder nicht) offen. Wir freuen uns auf eure Beteiligung!

Weiter plant die SUB in nächster Zeit einige Events, um gegen die Erhöhung zu protestieren. So hält die SUB am 22. August gemeinsam mit dem Verband der Studierenden der Berner Fachhochschulen (VSBFH) eine Medienkonferenz, um über die verschiedenen Argumente gegen eine Erhöhung Auskunft geben zu können.

Am 14. September schliesslich treffen sich die Studierenden mit dem Grossen Rat, der am Schluss über das Sparpaket entscheiden wird. An einer Mittagsveranstaltung im Ratshaussaal werden die SUB und der VSBFH die Möglichkeit haben, mit den Mitgliedern des Grossen Rates direkt in Kontakt zu treten. Bis zur Mittagsveranstaltung hoffen wir auch konkrete politische Schritte präsentieren zu können.

Stay tuned, deine SUB.

Wer mitmachen möchte, melde sich bei Ayse Turcan oder Clau Dermont.

Juni 2011: Studiengebührenerhöhung vorgeschlagen

Im Juni 2011 hat der Regierungsrat im Rahmen des Entlastungspakets 2012 vorgeschlagen, dass an den Hochschulen im Kanton Bern die Studiengebühren erhöht werden sollen.

Konkret bedeutet das, dass Studierende der Berner Fachhochschule, der Pädagogischen Hochschule und der Universität neu statt 600.- Franken pro Semester 750.- Franken Studiengebühren bezahlen (auf der Rechnung sind jeweils noch 34.- Franken für die Semestergebühren, wo der Unisport und verschiedene Versicherungen drin sind).

Die SUB hat innert Kürze Stellung zu dieser Erhöhung genommen. Für die SUB ist es nicht akzeptabel, dass die Studierenden für die Steuersenkungen im Kanton Bern hinhalten müssen, und die fehlenden Mittel aufbringen müssen. Die Erhöhung der Studiengebühren macht für die Universität Bern nur 0.5% des Gesamtbudgets aus.

Erschwerend kommt hinzu, dass um genau diesen Betrag der Kantonsbeitrag der Universität Bern gekürzt werden soll. Die Universität Bern erhält bereits heute - verglichen zu den anderen Universitäten - den tiefsten Kantonsbeitrag pro StudierendeR, und dieser soll nun noch weiter gesenkt werden.

Die Entwicklung zeigt insbesondere, dass der Kanton Bern sich bei der Hochschulbildung aus der Verantwortung stiehlt, und die Studierenden jetzt die Strafe für fehlgeplante Steuerkürzungen zahlen müssen. Die SUB wehrt sich gemeinsam mit dem Verband der Studierenden der Berner Fachhochschule dagegen und wird auf der November-Session versuchen, diese Massnahme aus dem Entlastungspaket streichen zu lassen.

Medienmitteilung der SUB

Gemeinsame Stellungnahme der SUB und des VSBFH

Medienmitteilung des VSBFH

Information des Regierungsrates

Die Diskussion zum Thema Studiengebühren wird immer wieder aufs Neue geführt. Verschiedene Kreise aus der Wirtschaft und der Politik fordern eine Erhöhung der Studiengebühren, teilweise sogar eine Verzehnfachung des aktuellen Betrages.
Hier soll ein Beitrag zur stets aktuellen Diskussion geleistet und der Horizont und die Perspektive auf die Frage der Studienfinanzierung erweitert werden, indem es eine eingehende Auseinandersetzung mit der Thematik widerspiegelt und die Sicht der Studierenden darlegt.

Positionspapier zu Studiengebühren

"Argumente" für Studiengebühren

Höhere Qualität der Hochschulen durch Studiengebühren?

Es scheint nahe liegend, dass die Studierenden, welche von dieser Qualitätssteigerung sicher profitieren, dafür auch mehr bezahlen. Doch sogar eine Verzehnfachung würde den Anteil der Studiengebühren am Hochschulbudget bestenfalls um wenige Prozentpunkte erhöhen während der finanzielle Mehraufwand für die Studierenden extrem hoch ist. Eine Verzehnfachung würde dazu führen, dass die Studiengebühren mit 1100. — CHF pro Monat plötzlich mehr als die Hälfte des Budgets ausmachen.

Ebenfalls ist hier eine genaue Betrachtung des Begriffes „Qualität" angebracht. Was beinhaltet denn die geforderte hohe Qualität der Hochschulbildung? Zu einer guten Qualität gehören beispielsweise gute Betreuungsverhältnisse, durchgesetzte Chancengleichheit, Einbindung und Mitbestimmungsmöglichkeit der Studierenden, optimale Verhältnisse bezüglich der Ausrüstung, genügend Mittel für Doktorierende, etc. Mit organisatorischen und strukturellen Massnahmen wäre schon vieles zu erreichen, ohne dass dabei ein grosses Loch in das universitäre Budget gerissen wird.

Schneller studieren mit Studiengebühren?

In den meisten Fällen ist nicht das "Trödeln" der Studierenden die Ursache, sondern die Tatsache, dass ein Grossteil der Studierenden neben ihrem Studium arbeitet. Wie man aus der Studie zu sozialen Lage des Bundesamtes für Statistik entnehmen kann, ist es Fakt, dass rund 78% aller Studentinnen und Studenten einer Erwerbsarbeit neben dem Studium nachgehen müssen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.
Dies hat Auswirkungen auf das Studium. Alle Studiengänge in der Schweiz sind so genannte Vollzeitstudien und entsprechen einer 100% Arbeitstelle. Geht eine studierende Person einer 30 Stellenprozent entsprechenden Arbeit nach so wird klar, dass die Präsenzzeit an der Uni, das Lernen und Studieren und die Erwerbstätigkeit zwangsläufig zu einer längeren Studienzeit führen müssen.

Betrachtet man also diese Realität im Zusammenhang mit der Forderung nach höheren Studiengebühren, ist unschwer zu erkennen, dass eine Erhöhung der
Studiengebühren in keinem Fall zu kürzeren Studienzeiten führen würde. Eher träfe das Gegenteil ein und Studierende müssten noch mehr arbeiten, um die höheren Gebühren bezahlen zu können. Als Alternative dazu bliebe für viele nur noch der Abbruch des Studiums.

Argumente gegen Studiengebühren

Die Bildung als öffentliches Gut ist ein Grundstein der Demokratie!

Bildung ist die ethische Grundlage unserer Kultur und die Voraussetzung für eine funktionierende, demokratische Gesellschaft. Die Hochschulbildung im Besonderen erweitert einerseits das Wissen des Einzelnen in einer bestimmten Richtung, andererseits vergrössert sie den Horizont der Gesellschaft als Ganzes durch das Einzelwissen vieler.  
Bildung muss als öffentliches Gut betrachtet werden, das allen mit den entsprechenden Fähigkeiten und Interessen offen stehen muss und zum Funktionieren der gesamten Gesellschaft beizutragen hat.

Aus guter Bildung resultiert Wirtschaftswachstum!

Nebst der Grundlage, die die Bildung für eine demokratische Gesellschaft mit mündigen BürgerInnen darstellt, ist im speziellen die Hochschulbildung eine unverzichtbare Grösse für die Konkurrenz- und Wettbewerbsfähigkeit eines Staates. Hoch qualifizierte Arbeitskräfte sind eine der wichtigsten Ressourcen für das zukünftige Wachstum der Schweiz und den Wohlstand jeder und jedes einzelnen.
Es wäre ein grosser Fehler, die Verantwortung für diese Ressource und das Wachstum durch Studiengebühren auf die einzelnen HochschulabsolventInnenabzuschieben. Die Folge wäre ein Rückgang an hoch qualifizierten Arbeitskräften, was wiederum sehr negative Auswirkungen auf die Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Wirtschaft und den Arbeitsmarkt hätte.

Bildung ist ein Recht!

Das Recht auf Bildung, das jeder und jedem frei zugänglich sein muss, ist unter anderem in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte Artikel 26 festgeschrieben. Nach diesem Artikel muss die Bildung „auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein." Auch in der Schweizerischen Bundesverfassung wird in Artikel 41. Absatz f das angestrebte Sozialziel festgehalten, dass sich „Kinder und Jugendliche sowie Personen im erwerbsfähigen Alter nach ihren Fähigkeiten bilden, aus- und weiterbilden können." Damit durch die Bildung die „volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit" erreicht werden kann, muss jedoch eine freie Studienwahl garantiert werden können. Der Artikel 26 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte fordert auch, dass Fach- und Berufsunterreicht allgemein verfügbar gemacht werden muss und der Hochschulunterricht allen entsprechend ihren Fähigkeiten offen stehen muss. Zudem müssen gemäs dem von der Schweiz ratifizierten UNO-Pakt I die Studiengebühren allmählich abgeschafft werden.

In der Bildung muss Chancengleichheit herrschen!

Es ist eine bekannte Tatsache, dass Kinder von Eltern mit einem Hochschulabschluss bis zu 13 mal eher ein Hochschulstudium ergreifen, als Kinder aus so genannten bildungsfernen Schichten.
90% der Studierenden beziehen einen Teil ihres Einkommens von der Familie und diese Einkommensquelle macht in Schnitt 52% des Gesamteinkommens aus. Eine Erhöhung der Studiengebühren würde demnach vor allem Studierende aus finanzschwachen Familien negativ betreffen. Insbesondere sie müssten noch mehr arbeiten, was bedeutet, das sie noch länger studieren und noch länger auf ein, den Lebensunterhalt sicherndes Einkommen verzichten müssten. Viele würden wohl in Anbetracht dieser Tatsachen sogar ganz von einem Hochschulstudium absehen. Dadurch würden die Chancen im Schweizer Bildungssystem, sowie im Arbeitsmarkt noch stärker an die soziale Herkunft und finanzielle Situation der Familie gebunden und die Gesellschaft noch stärker in arm und reich unterteilt.

Schlussfolgerungen

Die oben aufgeführten Argumente zeigen deutlich, dass Studiengebühren in keiner Weise zu einer qualitativ hoch stehenden, effizienten, konkurrenzfähigen, demokratischen und fairen Bildungslandschaft Schweiz beitragen. Vielmehr führen sie in die gegenteilige Richtung, indem sie ein öffentliches Gut zu einer in Wirtschaft und Markt handelbaren Dienstleistung degradieren, indem sie Studierende zwingen, noch mehr Zeit in Erwerbsarbeit zu investieren und dadurch noch länger zu studieren, ohne der Schweizer Wirtschaft als hoch qualifizierte Arbeitskräfte einen Nutzen zu bringen, indem sie der Schweizer Gesellschaft die Grundlage für eine gut funktionierende Demokratie entziehen, indem sie der Verwirklichung des Rechtes auf Bildung im Wege stehen und indem sie das Prinzip der Chancengleichheit verletzen.

Studiengebühren sind in jeglicher Hinsicht kontraproduktiv und müssen abgeschafft werden!