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Der erste Science Slam der Schweiz

Von Marisa Molinaro

Wissenschaft ist trocken. Von wegen! Am Science Slam wird mit Wissen jongliert und es werden Fakten seziert.

«… konnten leider nicht kommen …» Was? Alle Slammer und Slammerinnen sind entweder krank oder haben aus persönlichen Gründen kurzfristig abgesagt? «Nicht im Ernst, oder?», fragt meine Freundin. Dafür sind wir den ganzen Weg von Bern bis nach Basel gekommen? «… aber eine Slammerin ist krank und trotzdem hier, wir …» Gut. Eine ist hier, da sind wir ja nicht vergebens gekommen. Heute Abend findet der erste Science Slam der Schweiz statt. Die Chance, bei dieser Premiere dabei zu sein, will ich mir nicht entgehen lassen und so mache mich kurzerhand auf den Weg nach Basel. Gesehen habe ich so etwas noch nie, aber ich habe mich gut vorbereitet: Auf der Homepage der Veranstalter, auf youtube und Wikipedia.

Es geht auch spannend

Der Science Slam ist ein Kurzvortragsturnier, bei dem in zehn Minuten ein wissenschaftliches Thema einem Laienpublikum auf lustige Art vorgestellt wird. In Deutschland und den USA ist diese Vortragsform bereits sehr bekannt und etabliert, bei uns ist es das erste Mal, dass so etwas stattfindet. Wie beim Poetry Slam werden auch hier die Vorträge vom Publikum bewertet. Allerdings geht es dabei weniger um sprachliche Nuancen als um unterhaltsam vorgetragene Fakten. Das Ziel ist es, das Publikum zu unterhalten.

Dieses Format bietet die Chance, einem breiten Publikum das verständlich zu machen, was sonst im Elfenbeinturm der Wissenschaft ruht. Der Science Slam soll die Leute mitreissen und für Themen begeistern, mit denen sie sich wohl nicht von sich aus beschäftigt hätten. Dadurch erschliessen sich einem neue Wissensgebiete und es ist eine gute Gelegenheit, Interessantes aus anderen Fakultäten zu erfahren. Die Vortragenden sind häufig keine KünstlerInnen, sondern WissenschaftlerInnen, die den Drang verspüren, nach all den Stunden im Labor oder in der Bibliothek ein breites Publikum zu finden und dieses mit ihrer Begeisterung anzustecken. Da drängt sich nur noch eine Frage auf: Warum sind so viele wissenschaftliche Vorträge so langweilig, wenn es auch unterhaltsam geht?

Heidi und die Bibel

Wegen den vielen Absagen findet der heutige Science Slam nur mit einer Teilnehmerin statt, die gleich auch die Gewinnerin ist. Diese erklärt uns jetzt, was Johanna Spyris Heidi mit der Bibel und deutschem Lutheranismus zu tun hat und nimmt uns dabei die Illusion, Heidi sei ein typisch schweizerisches Markenzeichen. Sie slamt sich im Nu in die Herzen des Publikums und hat die Lacher auf ihrer Seite. Auch wenn man einen Science Slam mit einer Teilnehmerin nicht wirklich ein Turnier nennen kann, war das doch ein lustiger Vortrag, für den es sich gelohnt hat, nach Basel zu kommen. Als Ersatz für den Science Slam wird gleich noch ein zweiter Slam angehängt: Ein Poetry Slam. Übrigens der beste, den ich bis jetzt miterlebt habe.

In der Zwischenzeit ist die Krankheitswelle, die die SlammerInnen erfasst hat, sicher vorbei, deshalb freuen wir uns auf ganz viele TeilnehmerInnen am ersten richtigen Science Slam der Schweiz in Bern am 10. Dezember im ONO.

Kontext

Science Slam in Bern

Wo: ONO, Kramgasse 6

Wann: 10. Dezember 2010, 20 Uhr

Anmeldung bis 15. November 2010 an scienceslam@unibe.ch

Wer: Alle, die an einer Hochschule immatrikuliert sind, doktorieren, habilitieren oder an einem Forschungsprojekt arbeiten.

Bedingung: Das Thema muss selbstständig erarbeitet worden sein, zum Beispiel Bachelor- oder Masterarbeit, Dissertation.

Weitere Informationen: www.scienceslam.unibe.ch

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